25 Jahre Hochschuldidaktik: Lehrende der Uni Hohenheim außergewöhnlich engagiert [03.11.26]
Spitzenposition zum Doppeljubiläum: 25 Jahre Hochschuldidaktik in BaWü und an der Uni Hohenheim / Gemessen an Lehrenden-Zahl liegt Hohenheim bei Zertifikaten vorn
Gute Lehre braucht mehr als Fachwissen: Wie lassen sich Studierende im Zeitalter von KI und Digitalisierung zum Mitdenken, Diskutieren und eigenständigen Problemlösen anregen? Und welche Fähigkeiten brauchen junge Menschen, um die Zukunft aktiv mitzugestalten? Seit 25 Jahren unterstützt das Hochschuldidaktikzentrum Baden-Württemberg (HDZ) die Lehrenden an den Universitäten des Landes dabei, ihre Lehre kontinuierlich weiterzuentwickeln. Auch die Arbeitsstelle Hochschuldidaktik an der Universität Hohenheim in Stuttgart feiert ihr 25-jähriges Bestehen. Zum Doppeljubiläum kann die Universität eine besonders erfreuliche Bilanz ziehen: Beim Baden-Württemberg-Zertifikat für Hochschuldidaktik belegt sie, gemessen an der Zahl ihrer Lehrenden, in den letzten Jahren einen Spitzenplatz. Innovative Lehrkonzepte sind heute eines ihrer Markenzeichen.
Die klassische Lehrveranstaltung an der Universität glich früher allzu oft einer Einbahnstraße: Professor:innen trugen ihren Stoff vor, die Studierenden hörten zu und machten sich Notizen. Ob das Wissen wirklich angekommen war, zeigte sich häufig erst in der Prüfung.
Heute hat sich das Verständnis von guter Lehre grundlegend gewandelt: In innovativen Lehrformaten werden Studierende selbst zu Forschenden, arbeiten und diskutieren in Teams und nutzen digitale Werkzeuge ebenso wie interaktive Lernangebote auf dem Campus.
Um Lehrende bei dieser Entwicklung zu unterstützen, wurden vor 25 Jahren in Baden-Württemberg im Auftrag des Wissenschaftsministeriums erstmals eigene Arbeitsstellen für Hochschuldidaktik eingerichtet – so auch an der Universität Hohenheim.
Gute Lehre als Teil der Universitätskultur
„In den Anfangsjahren wurden wir von manchen Professorinnen und Professoren ja noch mit Skepsis betrachtet“, erinnert sich Tanja Ottenbacher, die die Arbeitsstelle Hochschuldidaktik an der Universität Hohenheim seit ihrer Gründung begleitet. „Dabei ging es uns nie darum, in die Freiheit der Lehre einzugreifen, sondern darum, Lehrende zu unterstützen, ihren eigenen Lehrstil zu entwickeln.“
Heute ist die Bedeutung guter, didaktisch fundierter Lehre an der Universität Hohenheim breit anerkannt. Das zeigen unter anderem die sechs neuen Preise für gute Lehre, die seit vergangenem Jahr in verschiedenen Kategorien beim Hohenheimer Tag der Lehre (27. November 2026) vergeben werden und den klassischen Hohenheimer Lehrpreis ergänzen.
Nicht zuletzt spiegelt sich der Stellenwert guter Lehre darüber hinaus auch im großen Interesse an den didaktischen Weiterbildungsangeboten: „Unsere Angebote sind sehr nachgefragt, einige sogar regelmäßig ausgebucht. Zahlreiche Lehrende gehen noch einen Schritt weiter und absolvieren das umfangreiche Qualifizierungsprogramm zum Baden-Württemberg-Zertifikat für Hochschuldidaktik, das insgesamt 200 Arbeitseinheiten umfasst“, freut sich Tanja Ottenbacher.
Spitze beim Baden-Württemberg-Zertifikat
Setzt man die Zahl der jährlich erworbenen Zertifikate ins Verhältnis zur Zahl der Lehrenden, führt die Universität Hohenheim seit einigen Jahren die landesweite Statistik an. In absoluten Zahlen liegen Universitäten mit medizinischen Fachbereichen vorne. Hier ist die Qualifizierung verpflichtend.
Das Zertifikatsprogramm vermittelt grundlegende didaktische Kompetenzen und bietet zugleich Raum für individuelle Schwerpunktsetzungen. In drei Modulen beschäftigen sich die Teilnehmenden unter anderem mit der Planung von Lehrveranstaltungen, geeigneten Lehr- und Prüfungsformaten sowie der Reflexion ihrer eigenen Rolle als Lehrperson.
Im dritten Modul entwickeln die Teilnehmenden ein individuelles Lehrprojekt oder ein Produkt für die Lehre, wie z.B. ein Online-Selbstlernkurs oder ein Lern-Video. Dabei werden sie von der Hochschuldidaktik begleitet.
„Besonders freut uns, dass viele ehemalige Absolventinnen und Absolventen heute selbst Lehrpreise gewinnen oder Professuren innehaben“, berichtet Ottenbacher. „Viele erzählen uns, dass die Qualifizierung sie in ihrer beruflichen Entwicklung entscheidend unterstützt hat.“
Innovative Lehre als Markenzeichen
Professor Sebastian Hess, Prorektor für Studium und Lehre an der Universität Hohenheim, betont: „Die Anforderungen an eine zeitgemäße Hochschullehre haben sich in den vergangenen 25 Jahren grundlegend verändert. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz eröffnen vielfältige Möglichkeiten, stellen Lehrende aber auch vor neue Herausforderungen – etwa bei der Gestaltung von Prüfungen. Zugleich werfen gesellschaftliche Entwicklungen neue Fragen auf. Universitäten müssen sowohl in der Forschung als auch in der Lehre Antworten auf diese Fragen finden.“
Die Arbeitsstelle Hochschuldidaktik und das Team im Prorektorat Studium und Lehre begleiten diesen Wandel. Neben KI und digitalen Lehrformaten stehen aktuell insbesondere die stärkere Verankerung von Nachhaltigkeit und Demokratiebildung in der Lehre im Fokus. Auch das Weiterbildungsangebot greift diese Themen auf: So bietet das HDZ-Jahresprogramm 2027 erstmals die neue Profillinie „Transformative Skills für Nachhaltigkeit“.
Doch Hochschuldidaktik ist an der Universität Hohenheim längst mehr als eine Frage der individuellen Qualifizierung. Sie fließt auch in die Gestaltung und Akkreditierung von Studiengängen, in Fördermittelanträge und die Doktorandenausbildung ein. Selbst bei der Weiterentwicklung des Campus spielt sie eine wichtige Rolle.
Neue Räume für neue Formen des Lernens
„Gerade in Zeiten der Digitalisierung gewinnt der Campus als sozialer Lernort an Bedeutung. Die Corona-Pandemie und ihre Nachwirkungen haben uns besonders deutlich vor Augen geführt, wie wichtig persönliche Begegnungen, gemeinsames Arbeiten und der direkte Austausch für Studierende sind“, sagt Prorektor Sebastian Hess.
Deshalb investiert die Universität Hohenheim in die Neugestaltung von Hörsälen und Lernorten. Dafür stehen ihr 2026 und 2027 Mittel aus dem sogenannten „Transformationsbudget“ des Landes zur Verfügung.
„Wir wollen Räume schaffen, die vielfältige Lehrformate, aktive Beteiligung und flexible Nutzungen ermöglichen. Denn auch der Raum selbst kann zum ‚Pädagogen‘ werden, der selbstständiges und handlungsorientiertes Lernen fördert“, erläutert Hess.
Ausgewählte Hörsäle sollen dafür mit neuer Medientechnik und mobiler Möblierung ausgestattet werden, etwa für Gruppenarbeiten und unterschiedliche Lehrszenarien. Auch in den Bibliotheken entstehen neue Bereiche für konzentriertes Lernen und gemeinsamen Austausch.
Ein erstes Beispiel ist die neu eingeweihte Lern-Lounge im Untergeschoss der Zentralbibliothek: Dank der Digitalisierung der Zeitschriften-Bestände entstanden hier bereits vor einigen Jahren studentische Lernplätze. Mithilfe der Landesmittel wurden diese nun zu einem flexibel nutzbaren Lern- und Begegnungsort weiterentwickelt, der sich den Bedürfnissen der Studierenden anpasst und Raum zum Lernen und Arbeiten allein, zu zweit oder in Kleingruppen bietet. In den kommenden Monaten sollen weitere Lernbereiche folgen, darunter auch mehrere Outdoor-Lernorte auf dem Campus.
HINTERGRUND: Innovative Lehrformate an der Universität Hohenheim
Wie innovative Lehre in der Praxis aussehen kann, zeigt unter anderem das Hohenheimer Erfolgsmodell „Humboldt reloaded“. Das preisgekrönte Programm ermöglicht Studierenden, bereits in den ersten Semestern eigene Forschungsfragen zu bearbeiten, Daten zu erheben und auszuwerten sowie ihre Ergebnisse mit Forschenden zu diskutieren.
Ein weiteres Erfolgsformat ist das studienbegleitende KI-Zertifikat AIDAHO. Es bietet Studierenden die Möglichkeit, sich über ihr reguläres Fachstudium hinaus mit Künstlicher Intelligenz und Datenwissenschaften auseinanderzusetzen und entsprechende Kompetenzen zu erwerben. Dabei geht es nicht nur um die praktische Anwendung von KI-Werkzeugen. Die Studierenden lernen auch, deren Möglichkeiten und Grenzen kritisch einzuschätzen und KI verantwortungsvoll einzusetzen.
HINTERGRUND: 25 Jahre Hochschuldidaktikzentrum Baden-Württemberg
Mit einer Jubiläumsveranstaltung am 5. November 2026 feiert das Hochschuldidaktikzentrum Baden-Württemberg sein 25-jähriges Bestehen. Auf dem Programm stehen unter anderem ein Grußwort von Wissenschaftsstaatssekretärin Neşe Erikli, die Ehrung der Absolvent:innen des Baden-Württemberg-Zertifikats sowie die Auszeichnung herausragender Lehrprojekte. Zugleich wird das HDZ-Jahresprogramm für 2027 vorgestellt.
Weitere Informationen: https://www.hdz-bawue.de/25-jahre-hdz/
Weitere Informationen
Hochschuldidaktik Universität Hohenheim: https://hd.uni-hohenheim.de/
25 Jahre HDZ: https://www.hdz-bawue.de/25-jahre-hdz/
Text: Leonhardmair
Kontakt für Medien:
Tanja Ottenbacher, Universität Hohenheim, Arbeitsstelle Hochschuldidaktik,
+49 711 459 23368, hd@uni-hohenheim.de
Prof. Dr. Sebastian Hess, Universität Hohenheim, Prorektor für Studium und Lehre,
+49 711 459 22899, s.hess@uni-hohenheim.de

